Marvel’s Wolverine hat die besseren Voraussetzungen, als sein erster Eindruck vermuten lässt: Ein ikonischer Marvel-Antiheld, Insomniacs Action-Erfahrung und die technische Kraft der PS5. Doch nach den vorliegenden Kritiken bleibt das Ergebnis hinter dieser Summe zurück. Der Titel zeigt beeindruckende Momente, wirkt im Gesamtpaket jedoch überraschend vertraut – und damit schwächer, als man von einem großen PlayStation-Exklusivspiel erwarten würde.
Die zentrale Schwäche liegt nicht darin, dass Wolverine grundsätzlich unfunktioniert. Im Gegenteil: Die brutale Action, Logans raue Aura und die aufwendig inszenierten Kämpfe liefern durchaus das erwartete Superhelden-Spektakel. Problematisch ist die Wiederholung. Wenn sich Angriffe, Bewegungsabläufe und Szenen nach und nach wie Varianten desselben Musters anfühlen, verliert selbst ein Charakter mit Adamantium-Klauen an Biss. Genau hier setzen mehrere Kritiken an: Das Gameplay wirke repetitiv, das Design zu oft uninspiriert.
Besonders interessant ist der Vergleich mit Insomniacs Spider-Man-Serie. Dort tragen Leichtigkeit, Tempo und ein erkennbar eigener Spielrhythmus wesentlich zum Erfolg bei. Wolverine wählt den ernsteren Weg: blutige Kämpfe, verletzte Erinnerungen und Monologe, in denen Logan seine Vergangenheit verarbeitet. Das passt zur Figur, folgt aber auffällig stark einer bei PlayStation beliebten God-of-War-Schablone. Wenn jede emotionale Spitze ähnlich klingt, droht die ernste Tonlage zur Parodie der eigenen Formel zu werden.
Diese Enttäuschung betrifft daher mehr als ein einzelnes Spiel. In den vergangenen Jahren haben sich viele First-Party-Produktionen von PlayStation in ihren Oberflächen angeglichen: Kletterkanten, Greifhaken, filmische Pausen und kontrollierte Arenen sorgen für Kompetenz, aber auch für Vorhersehbarkeit. Wolverine hätte die Chance, mit einer wilderen, kompromissloseren Identität aus diesem Raster auszubrechen. Stattdessen bestätigt er stellenweise genau jene Vereinheitlichung, die Fans großer Marken nicht mehr hören möchten.
Die technische Bilanz ist gemischt, aber nicht düster. Auf der PS5 Pro können entfernte Hintergründe laut Kritik in LOD-Unschärfe absinken, während Nebenfiguren teils rudimentär wirken. Gleichzeitig gibt es glänzende Raytracing-Momente, detailreiche Oberflächen und eine flüssige Darstellung. Auch die umfangreichen Accessibility-Optionen sind ein klarer Pluspunkt. Diese Stärken verhindern jedoch nicht, dass sich die Welt und ihre Systeme weniger lebendig anfühlen, als es der Aufwand vermuten lässt.
Für die Nerd-Community ist Wolverine damit ein lehrreiches Warnsignal. Marvel-Lizenzen und hochwertige Technik garantieren keine besondere Spielerfahrung, wenn die Design-Entscheidungen zu vertraut bleiben. Das Spiel kann Spaß machen – mehrere Vorschauen und Kritiken bestätigen das –, doch sein größtes Versprechen bleibt uneingelöst: Wolverine sollte nicht nur ein weiterer actionstarker PlayStation-Held sein, sondern eine unverwechselbare, echte Antihelden-Erfahrung.